Soziale Rehabilitation

Die soziale Rehabilitation hat das Ziel Behinderungen bzw. Abhängigkeitserkrankungen (gem. ICD 10: F.10-F.19; F.50) oder deren Folgen zu beseitigen oder zu mindern und Menschen die Chance zu eröffnen, ein selbstbestimmtes Leben zu sichern und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. In diesem Kontext geht es auch um die Überwindung der psychosozialer Barrieren, die sich häufig als Folgen einer körperlichen oder seelischen Erkrankung eingestellt haben.

Es ist als ein am Bedarf der betreuten Person orientiertes und verbindlich vereinbartes Betreuungsangebot zu verstehen, dass sich auf ein breites Spektrum an Hilfestellungen im Bereich des Wohnens bezieht und der beruflichen und sozialen Integration dient.

Es handelt sich hierbei um ein gemeindeintegriertes Hilfeangebot, welches der betreuten Person ein selbstbestimmtes Leben in Herne ermöglicht.    Ziel der Sozialen Rehabilitation ist es, den durch Substanzmissbrauch eingeengten Freiheitsspielraum des Einzelnen wiederherzustellen, die bereits eingetretenen Störungen zu behandeln und weitere Schäden zu verhindern.
Die Achtung und Wertschätzung eines Jeden prägen hierbei das Selbstverständnis – unabhängig von unterschiedlichen religiösen und weltanschaulichen Bindungen – in Zusammenhang mit der Erkenntnis, dass jedes menschliche Leben einzigartig, unersetzlich, unverfügbar und in seiner Verschiedenheit (unabhängig von Krankheit, Behinderung und Leistungsfähigkeit) von gleichem Wert ist.

Schaubild: Brückenfunktion der sozialen Rehabilitation (vgl. Hansjürgens 2018)

Um die Realität abhängigkeits- und psychisch kranker Menschen näher kommen zu können, müssen wir ihre tatsächlichen Gegebenheiten und Bedarfe erfassen: Wichtig dabei sind die Fragestellungen, was zur Förderung meiner sozialen (Re-)Integration wichtig ist und die Leistungsangebote die Möglichkeiten des/r Rehabilitanden*in zur sozialen Teilhabe zu fördern:

Die Klient*innen werden in die persönliche Entwicklung ganzheitlich gefördert und eine möglichst selbstständige und selbstbestimmte Lebensführung ermöglicht und/oder erleichtert (§ 4 SGB IX).
„Als Intervention werden Einzel-, Gruppen- und Familien-/Paargespräche sowie Kompetenztrainings und berufs- und wohnraumbezogene Aktivitäten und Trainings angeboten. Ferner stehen Angebote wie […] Entspannung, Sport sowie kreative und themenspezifische Gruppen zur Verfügung“ (Verthein et al. 2017, 206).

  • Festigung lebenspraktischer Kompetenzen: Stabilisierung in der Konfrontation mit der Alltagsrealität, Realitätsprüfung und Zukunftsplanung.
  • Entwicklung persönlicher und sozialer Kompetenzen, wie Erhöhung der Frustrationstoleranz, Erhöhung der Konfliktfähigkeit, Förderung von konstruktiven Konfliktlösungsstrategien, Erlernen von Stressbewältigungstechniken, Training eines angemessenen Abgrenzungsverhaltens gegenüber konsumierenden Menschen bzw. schwierigen Situationen, in denen Suchtmittel konsumiert werden.
  • Erhöhung des Selbstwirksamkeitspotentials durch Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, Entwicklung pragmatischer Problemlösungsstrategien (Rückfallprävention u.a.).
  • Aufbau und Förderung der eigenen Leistungsfähigkeit: Entwicklung einer beruflichen Perspektive, Heranführung an den beruflichen Alltag, berufliche und soziale Integration vor Ort/in der Region.
  • Förderung der sozialen Integrationsfähigkeit:
    • Training lebenspraktischer Fertigkeiten (Haushaltsführung, Ernährung).
    • Erarbeitung und Umsetzung einer sinnvollen Freizeitgestaltung.
    • Ablösung aus defizitären und kranken Beziehungen.
    • Aufbau eines suchtfreien sozialen Kontextes: Aufbau tragfähiger und funktionierender Kontakte (soziales Kompetenztraining/soziale Netzwerkarbeit)
  • Aufbau einer an den eigenen Vorstellungen orientierten Wohn- und Lebensform.
  • Erweiterung freizeitgestalterischer Kompetenzen: Entwicklung eines (bewegungs-)aktiven Lebensstils, Steigerung der körperlichen Vitalität.
  • Erstellung/weitere Bearbeitung eines Schuldenregulierungsplanes:
    • Erstellung einer Übersicht über die bestehenden Verbindlichkeiten und sozialverträgliche Absprachen mit den Gläubigern.

Das Angebot der Sozialen Rehabilitation richtet sich an abstinent lebende Abhängige, die im Anschluss an die medizinische Rehabilitation bzw. Entwöhnungsbehandlung weitere Unterstützung bei ihrem selbstständigen und abstinenten Leben benötigen. Eine Altersbegrenzung besteht nicht.

Für Klient*innen die nach der Adaptionsbehandlung in die Soziale Rehabilitation wechseln, halten wir Wohnplätze im Kontext der Wohngemeinschaft bereit. Die Gemeinschafts- und Küchenbereiche sind komplett ausgestattet, die Zimmer können neben der vorhandenen Grundausstattung von den Bewohner*innen individuell eingerichtet werden.

Die Klient*innen müssen..

  • die Bereitschaft haben, sich auf eine Beziehung und eine Auseinandersetzung mit sich selbst einzulassen;
  • motiviert sein, sich mit den Möglichkeiten/Hilfen der Sozialen Rehabilitation einen Rahmen für eine suchtmittelfreie und sozial abgesicherte Zukunft erarbeiten und aufbauen zu wollen,
  • die Bereitschaft haben, zum Aufbau von tragfähigen suchtmittelfreien Beziehungen und der Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Normen und Werten, auch die Motivation und Fähigkeit zur Selbstreflexion und
  • das Betreuungsprogramm akzeptieren.

Die Betreuungsdauer richtet sich nach dem individuellen Hilfebedarf und die Intensität der Betreuung wird individuell für jede/n Klient*innen gestaltet.

Als Ansprechpartner hat der Klient*in einen „Betreuer*in“, der für ihn der erste Ansprechpartner und für die Betreuungsplanung verantwortlich ist.

Das Betreuungsteam bilden Sozialarbeiter/-pädagogen, Erzieher und sonstige Fachkräfte mit suchtspezifischen Kompetenzen; konsiliarisch: Facharzt für Psychiatrie, Dipl. Psychologe, Psycho-/Suchttherapeut.

Um die Bewältigungspotentiale zu entwickeln und zu fördern, anstehende Entwicklungsaufgaben in der Auseinandersetzung mit der Alltagsrealität unterstützt und die Ressourcenlage der Klient*innen in den Bereichen Gesundheit, Wohnen, Arbeit, soziale Kontakte, Interessen, Sinnfindung, Lebensfreude und materieller Absicherung verbessert.

In der Sozialen Rehabilitation fördern das Betreuungsteam die eigenständige Lebensbewältigung und -führung unserer Klienten in dem von uns betreuten Wohnraum. Auf diesen Grundgedanken basierend, bestimmen die äußere Struktur der Sozialen Rehabilitation und gewährleistet damit eine Betreuung auf hohem fachlichen Niveau, d.h. in der Auseinandersetzung mit der Alltagsrealität und den oftmals defiziten sozialen Netzwerken.

Wöchentliche Einzel- und Gruppenbetreuung

Wöchentliche Einzel- und Gruppenbetreuung

Am individuellen Bedarf orientierte, psychosoziale Einzelgespräche unter dem Aspekt der emotionalen Entlastung und Stabilisierung und der Entwicklung eines realistischen Selbstbildes.

Krisenintervention

Krisenintervention

Interventionen und psychische Stabilisierung in krisenhaften bzw. krisenhaft erlebten Situationen, einhergehend mit der Förderung von konstruktiven Konfliktlösungsstrategien, dem Erlernen von Stressbewältigungstechniken und dem Training eines angemessenen Abgrenzungsverhaltens.

Gruppenarbeit

Gruppenarbeit

Die Gruppenarbeit wird i.d.R. alltagsorientiert und themenzentriert angeboten und es werden gemeinsam Strategien zur Konfliktbewältigung und Problemlösefähigkeit entwickelt. Weiterhin geht es um die Festigung lebenspraktischer Kompetenzen und eine reflektierte Realitätsprüfung und Zukunftsplanung.

Unterstützung bei der beruflichen (Wieder-) Eingliederung

Unterstützung bei der beruflichen (Wieder-) Eingliederung

Durch die Zusammenarbeit mit dem örtlichen JobCenter/Agentur für Arbeit, unterschiedlichen Initiativen/Trägern und ortsansässigen Betrieben ist es möglich, zur Berufsfindung und Arbeitserprobung Praktika in unterschiedlichen Bereichen zu absolvieren und/oder in unterschiedlichen Berufsfeldern an Umschulungs- und/oder Qualifizierungsmaßnahmen teilzunehmen oder eine Ausbildung zu absolvieren.

Freizeitgestaltung

Freizeitgestaltung

Ein wichtiger Bestandteil der Sozialen Rehabilitation ist – neben der beruflichen Wiedereingliederung – eine bewusste Freizeitgestaltung. Neben der Motivation zur eigenen Freizeitgestaltung, bieten wir unseren Klienten verschiedene kostenfreie/-günstige Aktivitäten an, zum Beispiel Laufgruppen, Koch- und Kreativgruppen, gemeinsame Ausflüge und weitere Freizeitaktionen.

Hilfen zur Alltagsstrukturierung

Hilfen zur Alltagsstrukturierung

Erstellung von individuell ausgearbeiteten Tages- oder Wochenplanungen mit der Möglichkeit, durch die Einbeziehung in hausinterne Programmpunkte, eine Gewöhnung an einen regelmäßigen Tagesablauf zu unterstützen.

Haushaltsunterstützung

Haushaltsunterstützung

Regelmäßige Unterstützung bei der alltäglichen Haushaltsführung und dem Training lebenspraktischer Fertigkeiten (im Bereich Haushaltsführung, Ernährung), mit dem Ziel der Verbesserung der Alltagsbewältigung.

Hilfe bei der Schuldenregulierung

Hilfe bei der Schuldenregulierung

Gezielte Einleitung von Maßnahmen der Schuldenregulierung  (z.B. Entschuldungshilfen über den Marianne-von-Weizsäcker Fond, Forderungsfestschreibungen u.a.). Neben der Hilfe bei der Schuldenregulierung unterstützen wir unsere Klienten, nach Bedarf und individueller Absprache, in der Geld- und Kontoverwaltung.

Ansprechpartner*innen

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